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Das Internet als Substitut?

Im Rahmen meiner Thesis beschäftige ich mich ja jetzt schon länger mit User-Generated Content im Internet. Nutzerinhalte sind omnipräsent, ob sie jetzt in den klassischen Medien diskutiert oder auf YouTube, StudiVZ, Fotolog und Konsorten konsumiert werden. Dabei bin ich auch über einige Kritikpunkte an den auf Userseite erzeugten Inhalten gestoßen. Diese Kritik kommt, wen wunderts, zum Großteil aus den Reihen der etablierten Medienunternehmen wie Zeitungsverlagen, Fernsehanstalten und Foto- und Nachrichtenagenturen, die um ihr Berichterstattungs- und Unterhaltungsmonopol fürchten. Wie die Entwicklung in der Musikindustrie zeigt, können solche Märkte innerhalb weniger Jahre durch (illegale) Substitute enorm geschwächt werden. Ähnliche Entwicklungen gibt es momentan für Fotoagenturen und professionelle Fotografen, denen durch die weltweite Verbreitung von wesentlich billigeren Produktionsmöglichkeiten ihre Arbeitsgrundlage entzogen wird: Fotoreporter können nie so schnell vor Ort sein wie der erste Hobbyfotograf mit seiner Digitalkamera oder dem Fotohandy; und professionellen Fotografen scheint mit digitalen Spiegelreflexkameras und kostenlosen Bildbearbeitungstools jegliche Exklusivität verloren gegangen zu sein. Auch der Markt gedruckter Enzyklopädien hat viel von seiner (zugegebenermaßen auch vorher nicht besonders hohen) Attraktivität verloren: Während die gedruckte Enzyklopaedia Britannica irgendwann mal 2000 € gekostet hat, findet heute die CD des Monumentalwerks für 30 € kaum noch Absatz, Wikipedia sei (un)dank. Das sind nur zwei Beispiele für die Kannibalisierung einer kompletten Branche.
Vor diesem Hintergrund ist eine Diskussion zwischen dem Herausgeber der FAZ, Frank Schirrmacher, und Spiegel Online interessant: Schirrmacher hatte in einer Rede ein, wie ich finde berechtigtes, Plädoyer für die Tageszeitung gehalten, gleichzeitig aber die beiden Medien Internet und Tageszeitung als wertvoll für jedermanns Allgemeinbildung herausgestellt. Vor allem kritisierte er, dass viele Leute gar nicht mehr lesen und sich alle möglichen Inhalte im Internet in ausschließlich ikonografisch codierter Weise reintun. Auf Spiegel Online wurde diese Rede, total aus dem Zusammenhang gerissen, auf niederträchtig schlechte Weise kommentiert und liefert Schirrmacher damit ein willkommes Beispiel für miese Berichterstattung im Netz. Öl ins Feuer gießt dann wiederum dieser Artikel auf Süddeutsche.de, der die inhalteproduzierenden User mal gleich pauschal als Idioten über einen Kamm schert.
Fazit: Diese Diskussion ist Scheiße, sie ist überflüssig. Wie will man das weltumspannende, multimediale, multilinguale, nimmermüde, superaktuelle, hyperdynamische Internet mit einer gedruckten Tageszeitung vergleichen? Beide Medien haben ihre Berechtigung und werden auch nebeneinander überleben können. Es bleibt festzustellen: Kritisiert das Internet, dessen Unzuverlässigkeit, die Unübersichtlichkeit, die Unprofessionalität! Das alte marktwirtschaftliche Prinzip von Angebot und Nachfrage, willkommerener Brötchengeber übrigens auch der schreibenden Branche, wird die Entscheidung treffen, im besten Fall zu Gunsten beider Seiten.

Niko



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Niko Allgemein

  1. 13. Dezember 2007, 22:41 | #1

    Also ich genieße sowohl die Möglichkeit mich mit einer Tageszeitung in den Park zufletzen genauso wie in Sekunden schnell mal etwas nach zu schauen. Wer war denn jetzt das noch gleich?… War da nicht mal?…
    Bei einer Zeitung muss man aufstehen und das Haus verlassen, kann sich dafür aus dieser aber gute Dinge wie einen Hut oder Schiff basteln.
    Manchmal ist mehr mehr.
    Ade
    eure Clementine

  2. 14. Dezember 2007, 16:08 | #2

    Geanu kannste halt nicht vergleichen. Und mit Computern Fliegen tothauen, Wurstbrote einpacken oder als Polstermaterial verwenden hat auch noch nie gut geklappt, bzw. wurde sehr teuer.

  3. 16. Dezember 2007, 15:22 | #3

    Solche Auseinandersetzungen gibt es immer wieder, und es hat sie immer gegeben, nicht nur in Zeiten des Internet. Sinnentstellende Zitate und polemische Schlussfolgerungen gehören in bestimmten Bereichen des Journalismus zum Handwerkszeug und werden nachvollziehbarerweise immer dann hervorgekramt, wenn jemand sich angegriffen fühlt.
    Christian Stöcker, Verfasser des sinnentstellenden Textes aus Spiegel.de, scheint Schirrmacher, dessen größter Bewunderer ich ebenfalls nicht bin, zwar gelesen, aber gar nicht verstanden zu haben. “Nicht weiter schlimm,” mag man denken, “dann lassen wir ihn halt schreiben und lesen einfach was anderes.” Er stimmt ja am Ende seines Pamphlets auch durchaus sinnvolle und nicht grundfalsche Töne an: “Das Internet ist das aufregendste journalistische Medium, das uns derzeit zur Verfügung steht. Weil es schnell sein kann, aber nicht muss. Weil es Querverweise und Verknüpfungen zu Originalquellen ermöglicht.”
    Aber man vergisst dabei: SPON ist eine der meistgelesenen deutschsprachigen Internetseiten, und wenn der Herr Stöcker (warum heißt der eigentlich so?) von Originalquellen spricht, dann stimmt das sicher, was er über Schirrmachers Rede schreibt. Und zack! hat “das Internet” wieder eine vollkommen überflüssige, weil auf falschen Tatsachen beruhende Diskussion losgetreten. Spiegel Online schön und gut, aber da hat Schirrmacher Recht: mit solchem Journalismus tut man dem Medium Internet einen Bärendienst.
    Aber, um Christian Stöcker zuzustimmen (ich bin mir sicher, auch Schirrmacher hätte da nichts gegen): dass er sagt, “die Gesellschaft muss nach Wegen suchen, sich der Flut von Entsetzlichkeiten entgegenzustellen. Ganz sicher jedoch wird dieses Ziel nicht erreicht, indem man den Boten, das Medium, zur Ursache erklärt,” ist richtig! Es ist ja gerade das Tolle am Internet, dass es keine Zensur gibt. Aber es muss was z.B. in den Schulen passieren, Stichwort Medienkompetenz. Der “Generation Internet”, zu der wir nur eingeschränkt gehören, weil wir auch noch eine Zeit ohne Internet kennen, bringt niemand bei, wie man mit diesem mächtigen Werkzeug umgehen kann und wo seine Gefahren liegen. Bevor sich da etwas ändert, soll man sich auch nicht wundern über die Folgen, die das haben kann.
    Ähnlich wie beim Klimaschutz.

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