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Macht Mode dumm?

Schon seit ich hier wohne (und das sind mittlerweile fast fünf Jahre) ist es ein beliebtes Thema, um Witze darüber zu machen: in Göttingen kann man kaum gute Klamotten bekommen, sofern man männlichen Geschlechts ist. Auch ein in jeder Stadt ansässiger bekannter schwedischer Billig-Modekonzern versäumt es, sich um die männliche Kundschaft zu kümmern: die Herrenabteilung ist winzig, schlecht sortiert und es geht schon seit Längerem das Gerücht um, die in die Göttinger Filiale gelieferte Kleidung sei der Kram, der in den umliegenden Filialen liegengeblieben ist. So weit hergeholt war das auch gar nicht, wenn man sich das Angebot anschaute.

Anstatt aus dem folgerichtig ausbleibenden Umsatz in der Herrenabteilung in Göttingen die einzig richtige Konsequenz zu ziehen und das Angebot zu verbessern, gibt es nach dem Motto “kauft Scheiße oder kauft gar nichts” seit einigen Tagen am Eingang der Filiale folgende Mitteilung zu lesen:

Wenn sie Mann sind, fahren sie eine Stunde in eine andere Stadt, um einzukaufen! Danke!

Um Scherereien zu verhindern, denn dieses Foto wurde schon unter lebensgefährlichen Bedingungen gemacht (”das ist Hausfriedensbruch, außerdem ist das Logo markenrechtlich geschützt, und wenn sie das nicht verstehen, kommen sie mit in mein Büro”), habe ich nur den Text auf der Mitteilung belassen und das verräterische Logo entfernt. Schade, jetzt weiß keiner mehr, um welchen Modekonzern es geht.

Bei etwa 25.000 Studenten in Göttingen gibt es grob geschätzt 12.500 potenzielle Kunden für Männerbekleidung. Wenn man diesen Markt auch nur annähernd bedienen würde, könnte man hier eine Goldgrube ausheben. Nur so als Tipp an alle, die in Südniedersachsen mit Mode Geld verdienen wollen. Aber anscheinend muss man als Mann wirklich über eine Stunde nach Norden oder Süden fahren, um gute und günstige Klamotten zu kaufen.



So ähnliche Sachen:



Jakowe Allgemein

  1. Niko
    20. August 2008, 16:15 | #1

    Lustige Überschrift, und lustiges Schild. gehe in letzter zeit dazu über, t-shirts nur noch im internetz zu kaufen. hat dann kaum jemand anders, und die sehen besser aus, und mit der größe kann man sich nicht großartig vertun. und wenn der preis in dollar ist, dann ksoten die sogar momentan sehr wenig. teste wenn du magst folgende Seiten (hab grade keine Zeit die zu verlinken):

    A better tomorrow

    Threadless

    Design by humans

    Etsy

    la Fraise

  2. 23. August 2008, 14:49 | #2

    Danke für die Tipps, da gibt es gar wunderbare Shirts. Ich werde sicherlich mal bestellen.

    Ich habe übrigens im Online-Kontaktformular der Modekette eine Eingabe gemacht und gefragt, was das ganze soll - und siehe! es kam eine Antwort:

    “Gerne informieren wir Sie noch darüber, dass H&M plant, im Laufe des nächsten Jahres ein weiteres Geshäft in Göttingen zu eröffnen, in welchem Sie dann ein großes Sortiment an Herrenbekleidung finden werden. Wir hoffen, Sie können vor diesem Hintergrund unsere Entscheidung, jetzt die Herrenabteilung aus der bestehenden Göttinger Filiale herauszunehmen, nachvollziehen.”

    Na, wenn das nichts ist.

  3. Niko
    23. August 2008, 17:39 | #3

    Ui, ein Großkonzern antwortet? Knorke!

    Übersetze mal grade:

    [...im Laufe des nächsten Jahres ein weiteres Geshäft in Göttingen zu eröffnen...]

    = Im Jahre 2013 ein ein weiteres Geschäft in Göttingen zu eröffnen.

  4. 23. August 2008, 20:23 | #4

    Ja, ein Großkonzern antwortet! Ich habe mich auch sehr gefreut und bin wieder fast versöhnt, denn die Antwort war noch nichtmal zu hundert Prozent aus Textbausteinen zusammengesetzt.

    Zu deiner Übersetzung biete ich eine Alternative:

    [...im Laufe des nächsten Jahres ein weiteres Geshäft in Göttingen zu eröffnen...]

    = Der Erwerb eines geeigneten Ladenlokals zur Neueröffnung einer weiteren Filiale in Göttingen ist bis jetzt gesheitert (hihi… gesheitert) und wir wissen auch nicht, ob das bis 2013 noch klappt.

  5. Daniel
    24. August 2008, 13:38 | #5

    pff. franchise-unternehmen, halt. ich verstehe den ärger, weil es wenige so günstige bekleidungsgeschäfte gibt, die noch annähernd dem modischen zeitgeist entsprechende ware anbieten. unter welchen bedingungen die sachen produziert werden, ist eine ganz andere frage, das fass will ich gar nicht aufmachen.

    Trotzdem glaube ich weiterhin, daß jegliche art von franchising letztendlich die bestehenden konsumgüter-anbieter verdrängt, und mittelfristig in den köpfen so ne art fashion-facism auslöst. wie blöd man sich vorkommt, wenn man bis nach split mit dem auto brettert, und dann im café neben einem so’n südkroate mit dem selben indonesischen skandinavischen t-shirt sitzt… (oder wenn der burger in jakarta so schmeckt wie am jahnplatz)

    angenehmer doch die erwähnten alternativen zum kauf von shirts übers internet. oder kleine (dann aber auch teurere) lokale modegeschäfte. Vielleicht sitz ich hier auch in meinem Neukölln-Kreuzberger Elfenbeinturm: natürlich gibt es auch “den” american-aparrell-uniformismus (gerade in berlin-mitte), oder homogenen hippie-stil (ich denke da an ein bestimmtes geschäft in gamla stan, stockholm…) trotzdem: kleingewerbe schafft vielfalt - und vielleicht auch ein klitzeklein besseres gefühl beim einkaufen.

  6. Daniel
    24. August 2008, 13:50 | #6

    nachtrag:

    für geschäfte mit cooler herrenmode müsste dann doch in göttingen eine wahnsinnig tolle marktlücke bestehen, wie du, jakowe, es bereits angedeutet hast. warum stößt denn dann niemand in diese lücke? wie wär’s junx, kneipe mit integriertem t-shirt-store aufmachen?

  7. 24. August 2008, 17:29 | #7

    Richtig, das Kinderarbeits-Fass und all das wollen wir, wenn überhaupt, lieber in einem neuen Artikel aufmachen.

    Kleingewerbe schafft Vielfalt, das stimmt auch. Leider gibt es immer weniger Kleingewerbe hier in Göttingen. Mir fallen auf Anhieb keine Geschäfte ein, die (schätzungsweise) weniger als zwanzig Angestellte haben und nicht zu einer Kette gehören (und zu denen ich gehen würde, um nach Klamotten zu schauen).

    Andererseits ist die Konkurrenz hier in Göttingen anscheinend doch so groß, dass es für kleine Läden schwierig ist, Marktanteile zu erobern. Die Hälfte der Läden ist, wie ich mir habe sagen lassen, in der Hand von New Yorker, die nicht nur mit ihrer exklusiven Marke Fishbone Erfolg haben, sondern auch noch unter diversen anderen Namen Boutiquen betreiben. Der Großteil der anderen Läden verkauft T-Shirts für 30 Euro aufwärts oder Lacoste-Ralph-Lauren-Tommy-Hilfiger-Lifestyleprodukte.

    Eine Kneipe mit integriertem T-Shirt-Store wäre wohl was für Göttingen, vielleicht ist das eine Idee, mit der man hier um die Ecke im Nooners mehr Erfolg gehabt hätte. Moment, den Laden gibts ja noch.

  8. 24. August 2008, 18:58 | #8

    Liebe Junx, gerne würde ich eine Kneipe mit Euch eröffnen, das wäre soooo schön! Gerade hatte ich einen merkwürdigen Denkfehler: Ich dachte, dass so ein Bambus-Dampfgarer sich für die Zubereitung von Reis eignet. Hatte das Ding schon so gut wie in der Hand, da bekam ich Angst und belas mich noch einmal kurz. Das mit den Reis ist nach Aussage von einigen Experten auf diesem Gebiet (Experte bedeutet: haben sich in Internetzforen geäußert) völliger Quatsch. Uneinigkeit herrscht darüber, ob ein Bambus-Dampfgarer tatsächlich nur auf einen Wok gesetzt werden darf. Manche empfehlen auch, das Gerät direkt in den Kochtopf zu stellen. Weil ich mir jetzt unsicher bin und dieses Gargerät für meine Steaks im Grunde überhaupt nicht benötige, werde ich es wann anders verwenden. Schönen Abend. Erwin.

  9. Daniel
    24. August 2008, 22:08 | #9

    das mit dem Bambus-Dampfgarer erinnert mich (leider) an meine erfolglosen Versuche, Latex an die spezifischen Vorraussetzungen meiner Seminararbeit anzupassen. Sobald man ein Problem lösen konnte, kam das näxte auf. Da ich nun müde bin, die bereits erwähnten Internetzforen für die Lösung meiner Probleme zu durchsuchen, schreibe ich die arbeit jetzt mit wörd. ich kam nämlich gar nicht mehr zum schreiben… schade, das!

  10. 26. August 2008, 13:16 | #10

    Ha ha… Bambusdampfgarer! Das fehlt noch in meiner Küche… Dabei dachte ich, dass ich schon alles Unnötige gesammelt hätte!

    Ja, LaTeX ist eine unendliche Geschichte, und ich denke auch, dass ich mit Word nur die Hälfte der Zeit gebraucht hätte, um all das zu schreiben, was ich geschrieben habe. Eva macht sich schon lustig über die LaTeX-Nerds. Anpassen von Seitenrändern: hat mich Tage gekostet und am Ende habe ich entschieden, dass ich es so lasse, wie LaTeX es möchte, weil es so am besten aussieht. Aber mitterweile amortisiert sich die Investition der Zeit: ich schreibe sogar Briefe mit LaTeX. Ganz zu schweigen von Präsentationen, die gehen eindeutig schneller mit der Beamer-Klasse von LaTeX als mit Powerpoint oder Keynote. Und sind besser portabel als .ppt- oder .key-Dateien, so dass sie auf jedem Rechner laufen.

    Aber mit Sicherheit muss man neben der benötigten Zeit erst Gefallen an der Sisyphusarbeit finden, LaTeX auf seine Bedürfnisse und auf jeden neuen Zweck zuzuschneiden, und wenn eines davon fehlt, etwa die Zeit wegen der Einhaltung von Fristen oder die Lust an der Sisyphusarbeit wegen der offensichtlichen Nachteile von Sisyphusarbeiten, dann lässt man es besser bleiben.

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