Seminararbeit: Googles Kommunikationsstrategie & Netzneutralität
16. Februar 2009
Gott zum Gruße,
ich habe eine Seminararbeit mit dem wunderbaren Titel “Googles Kommunikationsstrategie vor dem Hintergund der Diskussion um die Netzneutralität” verfasst. Kann man sich hier angucken.
Wen so leicht dröger Kram interessiert, der findet bestimmt auch dieses uralte Bridge Builder - Spiel gut.

Bridge Builder
Technophile Grüße, Nik
So ähnliche Sachen:
- Recommended IV: The Sounds, live Hätte ich ja fast schon wieder vergessen: Neulich war ich noch auf einem sehr...
- Auf Arbeitssuche Gesehen in Tlaquepaque/Guadalajara [caption id="attachment_1018" align="alignleft" width="768" caption="Se busca trabajo?"][/caption] ...
- Rechtschreibung und Graffiti: Kaum beachtetes Thema. A propos Meinungsfreiheit: Es gibt natürlich auch extra-internetären Protest für oder gegen Zensur und...







Krass: Das sieht aber megaprofessionell aus. Nach kurzem überfliegen (nichts gerallt) klingt es auch megaprofessionell. Glückwunsch!
Wenn ich das richtig verstehe, bedeutet also Netzneutralität einen nicht unerheblichen Faktor an externen Kosten durch Quersubventionierung von großen Anbietern. Irgendwie verständlich, daß das durch ein Unternehmen wie Google internalisiert werden sollte. Die Synergieeffekte der NGN-Struktur für die Netzanbieter dürften allerdings auch nicht zu vernachlässigen sein, weswegen TK-Unternehmen auch unter kartellrechtlichen Gesichtspunkten weiter beobachtet werden sollten. Für Google trifft das allerdings auch zu: § 1 GWB (der basierend auf EU-Gemeinschaftsrecht entstanden ist, und daher in ähnlicher Form europaweit gilt) unterscheidet insofern nicht mehr zwischen horizontalen oder vertikalen Wettbewerbsbeschränkungen. Ob sich das “Google Business Web” also rechnet, wird bei eventuell drohenden Kartellverfahren eine interessante Frage sein. Der Microsoft-Prozess hat insofern deutlich gemacht, daß sich die europäischen Regulierungsbehörden nicht scheuen, auch gegen vertikale Wettbewerbsbeschränkungen von “großen Fischen” vorzugehen.
Ja, ja, unterhaltet euch ruhig weiter zu zweit
Kartellrecht ist jetzt nicht so mein Metier, aber das beschriebene Business Web beinhaltet allenfalls lose Verträge, die die Zusammenarbeit und Kooperation zwischen Google und den jeweiligen Firmen regeln. Ich weiß nicht in wie weit das überhaupt kartellrechtlich untersucht werden kann.
Was meinst du mit der Quersubventionierung?
Noch ein Beispiel für nette kleine neue Sachen, die durch NGN erst möglich werden, und die natürlich bei näherer Betrachtung für die Telefonunternehmen recht bedrohlich ist: Skype vom Handy.
mit Quersubventionierung meine ich, daß ohne IMS-Layer-basierte Abrechnung der Datenmengen - also unter den Bedingungen von Netzneutralität - große Anbieter von Inhalten wie Google anscheinend dadurch teilfinanziert werden, daß andere Anbieter oder aber die TK-Unternehmen für die Traffic-Kosten mitaufkommen. Abbildung 3-2 und 3-3 verdeutlichen doch, daß Google eben nicht in dem Maße für die Traffic-Kosten aufkommt, die selbst vom Unternehmen “erzeugt” werden (klar, durch Nachfrage seitens der User). Demnach wird man also davon ausgehen müssen, daß Netzneutralität - zumindest bei Traffic-lastigen Unternehmen gesamtvolkswirtschaftlich ineffizient ist.
Grundsätzlich - und da komme ich zum Wettbewerbs- und Kartelrecht - braucht es dann allerdings einen funktionierenden Wettbewerb zwischen den TK-Unternehmen um rent-seeking seitens dieser, und eine (Marktmacht-basierende) verstärkte Kontrolle und Drosselung von Inhalten - etwa P2P-Netzwerken, oder anderen “unliebsamen” Diensten, zu verhindern. Es gibt allerdings im Telekommunikationsbereich sowohl sektorspezifische Regulierung durch das TKG, allgemeines Kartellrecht ist aber daneben gleichwertig anwendbar. Das gilt im übrigen sowohl für die TK-Unternehmen, als auch für Google selbst. Und auch “lose” Vertragsvereinbarungen zwischen Google und anderen Unternehmen können unter § 1 GWB fallen: “Vereinbarungen zwischen Unternehmen, Beschlüsse von Unternehmensvereinigungen und aufeinander abgestimmte Verhaltensweisen, die eine Verhinderung, Einschränkung oder Verfälschung des Wettbewerbs bezwecken oder bewirken, sind verboten.”
Nachtrag: Skype vom Handy fänd ich echt mal knorke!
Genau, Netzneutralität ist gesamtvolkswirtschaftlich ineffizient, zumindest wenn man sie auf direkte wirtschaftliche Auswirkungen untersucht. Allerdings würde es eine ganze Menge Innovationen und Dienste im Internet ohne die Netzneutralität nicht geben - und der volkswirtschaftliche Schaden wäre dann ebenfalls hoch. Für das Internet werden ja grade so viele Services entwickelt, weil, sicherlich neben anderen Vorteilen, Netzneutralität herrscht, die eine extreme Transaktionskostenreduktion für Unternehmen mit sich bringt. Gepaart noch mit einem zwischen lasch und unkontrolliert pendelnden Wirtschaftrahmen und gleichzeitig dem größtmöglichen Marktvolumen - fertig ist der fast perfekte Innovationsraum. Meiner Meinung nach schädlich, diesen zu begrenzen.
Es wäre auch, nachvollziehbar für jeden, scheiße ohne die ganzen Youtube-Videos, die man sich täglich reintut; denn wenn Youtube & Co. für ihren realen Traffic bezahlen sollte, dann gäbe es die Dienste jeweils noch ca. 0,4 Sekunden bis alle finanziellen Rücklagen aufgebraucht wären…
Klingt plausibel. Dennoch nutzen die Netzneutralität ja sowohl innovative Webunternehmen wie auch inzwischen durchaus kritisch zu betrachtende Global Player (Google) aus. Ich frage jetzt mal ganz frech, ob nicht die oligopolistische Struktur des bestehenden Marktes für Suchmaschinen und Webvideos (also Konzern Google/Youtube) evulotorisch auf ebenjene Vorteile der Netzneutralität zurückzuführen sind, oder ggf. verstärkt wurden!? Und wünscht man sich heute nicht manchmal für beides eine wettbewerbsfähige Alternative? Auch unter dem Blickwinkel eines “pluralistischen” Web?
Kann man also die, hmm, ich nenne sie mal “Transaktionskostenneutralität” des “Internets als Freiraum” auch anders denken? Gibt es einen Punkt, an dem ein Unternehmen die Schwelle vom freiraumnutzenden Innovationsunternehmen zum Traffic-Monster überschreitet, das negative externe Effekte produziert, die andere Marktteilnehmer internalisieren müssen? Wenn schon nicht der Staat o.ä. die Telekommunikationsinfrastruktur zur Verfügung stellt, muss man sich diese Frage stellen. Politisch steht dabei im Vordergrund, Unternehmen mit einer erreichten spezifischen Marktmacht eben auch in die Verantwortung zu nehmen. Es gibt ja schließlich keinen “endlichen” Traffic, daher ist davon auszugehen, daß die exzessiven Traffic-Kosten Google’s von den TK-Unternehmen so eingepreist werden, daß mittelbar im Schnitt höhere Gebühren von “gewöhnlichen” Endkunden und Content-Anbietern verlangt werden. (Zumindest bei funktionierendem Wettbewerb)
Ist jetzt bloß so ein Gedankenspiel, aber wie wäre es mit einem spezifischen, gesetzlich normierten “Innovationspool” für Web-Startups o.ä., der diese von den Gebühren befreit? Oder vielleicht noch besser: Überschreitet ein Anbieter einen bestimmten prozentualen Datendurchsatz am Gesamt-Traffic, wird er “zur Kasse gebeten”. Sollte ja mit IMS-Layer-basierter Abrechnung kein Problem sein, oder? Wie hoch eine effiziente Barriere liegen müsste, sollen mal die Volkswirte ausrechnen. Ich denke, so könnte man die Effizienz des TK-Sektors stärken, ohne den Innovationsraum zu zerstören oder zu beeinträchtigen. Was meinst Du dazu?
Das könnte ein Schritt sein; die Messung des Durchsatzes könnte über das IMS-Layer, wenn es das denn geben sollte, erfolgen. Allerdings wären die Kosten für z.B. Google so hoch, dass sie sich etwa Youtube dann nicht mehr leisten könnten; ich glaube es werden einige Milliarden Dollar Traffickosten im Jahr geschätzt. Grade Google und Co. sind aber selber große Innovatoren, da sie ihre vielen, oft erfolglosen Projekte (gibt noch viel mehr) durch erfolgreiche andere Geschäftsfelder gegenfinanzieren können. Frage ist, ob man den Konzern mit der Einführung einer Netzgebühr nicht zerschlagen würde.
Und Google möchte sich ja auch bereits absichern und wird selber auf dem TK-Markt aktiv - da könnte es für die traditionellen Unternehmen schwierig werden, die Gebühr einzutreiben.
Yes. Den Bridgebuilder hab ich bei meinem Bruder auf dem PC gespielt (und ihn danach beinahe komplett aus meinem Gedächtnis gelöscht - bis heute). Super.
Skype vom Handy habe ich bei Arne und Bastian schon gesehen, die haben irgendwelche Nokias. Funktioniert im WLAN, das heißt wenn die beiden zu Hause oder in irgendeinem Drahtlosnetzwerk sind, können sie per Skype telefonieren oder chatten (letzteres ist die umständlichere Alternative, aber z. B. in Vorlesungen ganz lustig). Das ganze läuft aber meines Wissens nicht unter dem Namen Skype, sondern unter irgendeinem anderen Namen, aber mit denselben Accounts.
In Zukunft kommen Nokia-Handys sogar ab Werk mit Skype!
Interessant für mich fachfremden Lumpen, sowohl rechtswissenschaftlicherweise als auch netzwissenschaftlicherweise, diese obenstehende Diskussion! Eine kleine Frage hätte ich: wer zahlt denn eigentlich den immensen Traffic, wenn es die Verursacher, Unternehmen wie Google, nicht tun? Die Kunden von Arcor, Telekom und Konsorten? Der Staat? Service-Provider wie Strato et cetera? Oder alle ein bisschen?
Das sind hauptsächlich die Netzbetreiber, in Deutschland zum Beispiel Telekom, Téléfonicá, Arcor, in den USA glaube ich hauptsächlich AT&T. Die Weitergabe an die Kunden gelingt nur bedingt, die Preise gehen ja weiterhin steil Richtung Keller.
Auch Netzpolititk hat das Thema aufgegriffen, vielleicht gibts ja auch mal in Deutschland eine öffentlichere Debatte.
Die USA hat fast beschlossen, dass Kabelnetzbetreiber keine zusätzlichen Gebühren für breitbandintensive Dienste wie Spiele oder VoIP oder alles was Google so macht erheben dürfen. Das gilt zwar nur für die USA, dürfte aufgrund deren zentraler Rolle in der Online-Infrastruktur aber richtungsweisend für andere Kontrollinstanzen sein.
Das freut die Innovatoren und ärgert die Kabelnetzbetreiber, denen dadurch Milliardeneinnahmen entgehen, was aber nicht so schlimm ist, da es sich eh um vollgesogene Großkonzerne handelt. Nun wird es darauf ankommen, wie diese Konzerne auf den ständig steigenden Bedarf an Bandbreite reagieren: Ein Ausbau der drahtlosen Infrastruktur ist teuer, eine Verteuerung der Flatrates nicht ratsam; es bleibt als kostengünstige Alternative z.B. die Möglichkeit, jedem User nur eine bestimmte, stark limitierte Bandbreite zur Verfügung zu stellen - wobei die Gewöhnung der Nutzer an multimediale Applikationen mittlerweile so hoch sein dürfte, dass viele eine solche Limitierung nicht ohne weiteres hinnehmen würden.
Wall Street Journal
Spiegel.de
Wir haben bei Arcor jetzt endlich nach vielen Jahren die Geschwindigkeit, für die wir zahlen: bitte, liebe Frau Arcor, jetzt keine Bandbreitenbegrenzung einführen, denn wir zahlen jetzt schon mehr als die meisten Schnäppchenjäger!