Verbesserungen in Forschung und Lehre
Liebe Freunde,
immer wieder wird man als Student gebeten, Vorschläge für die Verwendung der Studienbeiträge abzugeben. Schließlich weiß die Uni gar nicht mehr, wo ihr der Kopf steht vor lauter Mitteln, die zentral oder dezentral ausgegeben werden müssen. Ob die Erhebung von Studiengebühren in sechs deutschen Bundesländern nun die Zementierung der real existierenden Ungleichbehandlung von Studenten verschiedener (sozialer) Herkunft bedeutet, sei dahingestellt. Das Geld muss jedenfalls raus.
Ich habe basierend auf meinen täglichen Erfahrungen in der Bibliothek in den letzten vier Wochen drei Vorschläge, die zumindest die Forschung und Lehre in der Bibliothek verbessern dürften und nebenbei keine Zusatzkosten verursachen. Vorsicht, es artet in eine wüste Pöbelei aus. Ich habe nämlich schlechte Laune, weil ich lernen muss. Ich schicke auch voraus, dass mir die Möglichkeit bewusst ist, zu Hause zu lernen. Aus verschiedenen Gründen möchte ich das aber nicht, und das große Angebot an hellen und bequemen Lernplätzen in der Bibliothek ist einfach sehr verlockend.
(1) Ich schlage das Verbot von Flip-Flops in der Bibliothek vor. Zumindest sollte das Prügeln mit Bambusstäben auf die nackten Füße der Flipflopträger eingeführt und zur Selbstverständlichkeit gemacht werden. Das ständige Rumschlappen raubt mir den letzten Nerv, wenn ich meine Ohrstöpsel vergessen habe! Was ist bei der Klimaanlage in der Bibliothek gegen festes Schuhwerk einzuwenden? Außerdem sehen die meisten Flipflopträger aus, als seien sie nur versehentlich auf dem Weg vom Fernseher zum Kühlschrank in der Bibliothek gelandet. Auch das stört mich. Der Anblick ist traurig! Außerdem ist es anmaßend, die Bibliothek als privaten Raum zu nutzen. Schließlich gehört sie allen Studenten und als Staatsbibliothek auch den Bürgern. Die Bibliothek ist ein zentraler Ort des akademischen Lebens und eine derart riesige Ansammlung von Wissen, dass man sie wenigstens mit einem kleinen Rest an Respekt betreten sollte. In eine Kirche gehe ich ja auch nicht in Strandbekleidung. Das andere Extrem (ich bin der Gerechtigkeit halber auch für die Einführung eines Verbots dieser Entgleisungen, habe ich mir eben überlegt) sind vor allem Frauen, die sich für ihre Lernsitzung in der Bibliothek kleiden, als hätten sie sich auf dem Weg vom Bentley ihres Vaters zum Springreitturnier verlaufen. Die Uniform aus weißer Hose und hellblauem oder rosa Ralph-Lauren-Polohemd, kombiniert mit einer zu großen Sonnenbrille im Haar und Timberland-Mokassins an den Füßen sind da noch das kleinste Übel. Ich warte noch auf die erste Dame im Abendkleid, die auf High Heels morgens um halb neun ihr Mikroökonomie-Lehrbuch in die Bibliothek trägt.
(2) Außerdem gehören Leute rausgeworfen, die erst laut lärmend ihre Plastikbomber aus Plastiktüten herauskramen, für den Aufbau des knarzenden Plastikgehäuses aus Fernost eine Viertelstunde benötigen, dann eine Windows-Fanfare, gefolgt von dem penetranten Skype-Hochfahr-”Wuuuuuusch-klick”, ertönen lassen und sich auch von Warntönen, mit dem sich der Rechner beschwert, dass seine gewohnte Netzwerkumgebung nicht zur Verfügung steht, nicht beirren lassen.
Für laute Lüfter, die mich ebenso nerven, können die meisten Leute nichts, weil sie einfach keine Ahnung haben, wie man sich einen leisen Rechner kauft. Doch das lautstarke Kramen in Plastiktüten und das Benutzen knarzender Plastikmäuse ist meiner Ansicht nach ein Zeichen fehlender Rücksicht. Ich gestehe auch jedem Menschen zu, dass ihm das Missgeschick, den Ton nicht rechtzeitig auszuschalten, einmal passiert. Vielleicht auch zweimal. Es ist mir auch schonmal passiert. Ich muss es aber jeden Tag sicherlich vierzig Mal hören, immer die gleichen Fanfaren, “Wuuuuuusch-klick”s und Warntöne, und ich glaube mittlerweile nicht mehr, dass es sich jedesmal um ein Versehen handelt. Ich glaube viel eher, dass die Ursache in neunzig Prozent der Fälle auf mangelnde Rücksicht den Mitbenutzern der Bibliothek gegenüber zurückzuführen ist.
(3) So wie man kein Essen und keine Tiere mit in die Bibliothek nehmen darf, sollte es auch verboten sein, vor dem Betreten der Bibliothek schwere Parfums oder andere stinkende Tinkturen aufgelegt zu haben. Neben mir sitzt gerade in diesem Moment eine Frau (sie ist in Flipflops angereist), die stark und unangenehm riecht, aber nicht nach Schweiß oder Frittenfett, sondern ganz eigenartig nach einer Mischung von Wachsmalstiften und Vanille sowie einem guten Schuss von etwas undefinierbarem drittem; es ist kein Patschuli, kein Modergeruch, kein Holzgeruch, aber die Note der dritten Komponente geht in eine solche Richtung. Dieser Odeur macht es mir unmöglich, meine Arbeit konsequent zu verfolgen, weil ich mich immer Sachen frage wie “ist das ein Duft, den sie aufgelegt hat? Oder ist es eine Krankheit, wegen der sie so riecht? Findet sie, dass sie gut riecht? Nimmt sie selbst den Geruch nicht wahr? Ist sie Kunstlehrerin?”
In der Bibliothek geht es darum, sich Bücher herauszusuchen, in ihnen zu lesen, sie auszuleihen, zurückzubringen, in anderswo verschollenen Quellen Informationen zu sammeln, alte Zeitungsartikel zu lesen, die ruhige Atmosphäre bei der Lektüre von Romanen zu genießen, wie es alte Professoren offensichtlich gern tun oder einfach zu lernen. Es gibt sicher noch tausend andere Dinge, um die es in der Bibliothek gehen kann. Es geht aber nicht darum, darin zu wohnen (für diesen Zweck gibt es separate Studierzimmer, die bezogen und abgeschlossen werden können!), andere mit seinem Stil zu beeindrucken, oder mit exotischen Gerüchen in seinen Bann zu ziehen. Das kann man gern zwischen den Vorlesungen tun, wenn man einen Kaffee trinkt und sowieso nur übers Springreiten fachsimpelt, anstelle sich über Fachliches den Kopf zu zerbrechen.
Während wir also Millionen für die Austattung jedes Raums in der Uni mit Projektor und Mikrophonanlage ausgeben, bin ich für die parallele Einführung der genannten Maßnahmen. Ich bin mir sicher, dass es damit allen leichter fallen wird, für sich aus den Angeboten der Uni das Beste zu machen.
So ähnliche Sachen:
- Nu börjar sista månaden Mein letzter Monat in Schweden hat begonnen (und die Überschrift in Schwedisch, vermutlich mit...







Lieber Jakowe,Dein Artikel hat mich sehr beeindruckt!Ich schreibe wann anders noch einmal einen längeren Kommentar dazu.
Haha, jaja. Das stimmt, das mit den Leuten die sich in der Bibliothek so einrichten wie zu Hause. Wobei mich das mit der Kleidung jetzt nicht so stört, vielmehr die andauernden Gespräche über Urlaub oder den letzten starken Kneipenabend; und ebenfalls die garstigen Odeure mancher im Bezug auf ihr Riechorgan offensichtlich körperbehinderter Gesellen. Dieselben Fragen wie du stelle ich mir da auch immer: Wie kann man nur? Wieso riecht ers nicht?
In unserer Bibliothek wird übrigens gar nicht mehr auf Gespräche geachtet, man kann sich dort einfach so unterhalten, in normaler Lautstärke. Deshalb gehe ich dort auch nie zum Lernen hin. Anzurechenen ist dieser Missstand allerdings größtenteils der Hochschule, die kaum für Gruppenarbeitsplätze außerhalb der Bibliothek gesorgt hat.
Was mir dazu noch einfiel: Ich kann Deine Gefühle sehr gut nachvollziehen. Die Bibjothek wird sehr häufig von Menschen benutzt, die diesen Ort wählen, weil sie meinen, dass dort eine Konzentration eher möglich ist als zu Hause beim Fernschauen. Allerdings konnte ich auch bemerken, dass mich dies vor allem in den Phasen gestört hat, in denen ich selbst keinen Bock und keine sog. Moti hatte zu lernen oder zu schribseln. Aber auch mir gefällt dieses Einnisten nicht besonders. In der Medizinerbibjothek hier kann man häufiger morgens keine Plätze mehr bekommen, weil hauptsächlich Juristen die schöne sog. Atmo nutzen um ihre Tage komplett dort zu planen. In den Mittagspausen liegen dann zum Teil über zwei Stunden lang irgendwelche herrenlosen Platzhalter=Gesetzesbücher (mit Ständer) auf den Tischen rum. Da hatte ich schon häufiger Lust auf Leberhaken oder dergleichen.
Platzhalter=Gesetzesbücher (mit Ständer)
Oft braucht es nicht vieler Worte um einen ganzen Typus Student treffend zu umschreiben.
Ha ha… Ich habe in der Mittagspause allerdings auch meinen Platz mit Platzhaltern bestückt, um ihn nicht zu verlieren. Ich war aber auch schon sehr früh morgens da, und nicht erst, wenn die Leute mit ihren Schlappen aus dem Bett gefallen waren und ihre Buchständer anfingen in die Uni zu tragen. Ich hätte es nicht ausgehalten, nach der Mittagspause stinkende, telefonierende Angeber mit lärmenden Computern auf meinem Platz vorzufinden, nachdem es vormittags problemlos möglich gewesen wäre, sich einen Platz zu sichern.
au backe. gerade habe ich auch etwas damit zu kämpfen dass sich jemand neben mir niedergelassen hat, der zwar ganz “normal” aussieht, aber dennoch einfach unerträglich stinkt, und zwar nicht nach Parfum, sondern so, als ob sich diese Person seit längerer Zeit nicht gewaschen hat. Ich sitze schon am äußersten Rand des gemeinsamen Tisches, weil ich es kaum aushalte. Was macht man da? In Zukunft Ohren- und Nasenstöpsel mitnehmen?
Nur durch den Mund atmen hilft!
Genüsslich eine rohe Zwiebel knabbern
Gegen solche Belästigung hilft nur das offensive Furzen. Angriff ist die beste Verteidigung! Bei mir hilft, das habe ich mittlerweile zuordnen können, Kohl ganz hervorragend und schnell. Genau wie Erbsen und Bohnen. Oh, und altes Ei!
oder laut “Wham”-Lieder pfeiffen, am besten dazu noch unrhythmisch mit den Fingernägeln auf dem Tisch rum klopfen und wie ein alter Zigarrenraucher nach Luft hechzen….