Thalia, mein neuer Freund.
14. Oktober 2009
Guter Artikel über die Entwicklungen in der Verlags- bzw. Buchladenbranche. Wunderte ich mich in letzter Zeit schon darüber, erklärt der Artikel außerdem wieso völlig durchschnittliche und nach meiner Einschätzung willkürlich ausgewählte, doch umso härter angepriesene Romane so viel Erfolg haben (z.B. F. Schätzing, Stieg Larsson, etc.).







Als ich den Artikel gestern las, ist mir schlecht geworden. Die aggressive Expansion großer Buchhandelsunternehmen konnte ich auch in Köln-Sülz erleben. Da eröffnete kürzlich 50 Meter entfernt von meinem Lieblingsbuchladen die Mayersche Buchhandlung eine Filiale. Ich war schockiert: Werden jetzt auch noch die kleinen Viertelbuchläden platt gemacht?
Zur Information: Die Mayersche hat schon in der Kölner Innenstadt zwei riesige Mehrstockwerkgeschäfte. Diese nun viel kleinere Filiale ist aber immer noch gut dreimal so groß wie die Buchhandlungen in Sülz und hat außerdem täglich bis 20 Uhr geöffnet. Geprägt sind die Läden der Mayerschen durch großplakatige und bunte Werbung sowie Begrifflichkeiten wie ‘der Monats-Bestseller’ und ‘die Erfolgsstory aus England’. Außerdem von Tischen vor dem Geschäft, auf denen für einen Euro Bücher verballert werden (in der Print-Version des Artikels auf der Seite drei findet man übrigens ein Bild, auf welchem ein Plakat abgedruckt ist: ‘täglich frische Bücher ab 1,- EUR’). Wie in dem Artikel schön beschrieben, habe auch ich das Gefühl, dass in diesen Läden eigentlich gar nicht entscheidend ist, dass dort Bücher verkauft werden; es könnten genauso gut Klobürsten oder Latte-Macchiato-Gläser sein. Als ich kürzlich nach 19:00 Uhr aus irgendeinem Grund noch unbedingt ‘Verblendung’ von Stieg Larsson kaufen musste (betitelt in der Mayerschen mit ‘der Spiegel Bestseller’, gar nicht so gut wie ich dachte), bin ich mir richtig schäbig vorgekommen als ich aus dem Laden trat.
In meinem Sülzer Buchladen weiß ich genau, dass mir der Großteil der Bücher, die dort ausgelegt werden, auch gefallen würde. Gerade deshalb gehe ich ja dorthin. Als ich mir dort mal T.C. Boyles ‘Dr. Sex’ kaufen wollte, meinte der Verkäufer, dass sei das schlechteste T.C. Boyle Buch, das er jemals gelesen habe. Er legte mir dann ‘Wassermusik’ ans Herz. Für mich sind es solche Aussagen, die mich weiterhin in diese kleinen und persönlichen Läden treiben werden. Ich hoffe sehr, dass dies auch vielen anderen Menschen so geht.
In der ZEIT erschien letzte Woche ein Dossier über einen Autor, dessen erstes Buch verlegt wird. Es geht viel um Vermarktung, Werbestrategie, darum, wie wichtig der Titel des Buches und die Farbe seines Umschlags ist. Es geht aber auch um die Vertreter der Verlage, die zu den Buchhandlungen fahren und um die Leute, die Ketten wie Hugendubel und Thalia “betreuen”. Der Artikel ist längst nicht so pessimistisch wie der Bericht der Süddeutschen. Vielleicht war man nicht mutig genug, vielleicht haben die Leute aus den Verlagen nicht völlig ausgepackt. Trotzdem hatte ich zwischendurch immer ein ungutes Gefühl, weil die Vermarktung von Büchern mittlerweile sehr dem Marketing entspricht, das man von Autos oder Kommerz-Filmen erwartet. Man würde es aber nicht bei einem vermeintlich so edlen Bereich wie der Literatur verorten.
Mir ist auch ganz schlecht geworden, als ich den Süddeutsche-Artikel las. Ich musste auch an Phönix in Bielefeld denken, damals selbst ein Riesen-Bücherladen, der dann geschluckt wurde. Die Umwandlung in Thalia muss dann ja so ähnlich wie im Artikel geschildert gelaufen sein: ein Angebot, dass man nicht ablehnen konnte.
Leute, kauft mehr Farbeimer! Und Bücher nur beim Buchladen um die Ecke.