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Twitter-Wachstum in den USA erstmals rückläufig

Der Besucherzähler comScore hat Zahlen veröffentlicht, nach denen Twitter im Oktober etwa 8 % weniger Besucher als im September hatte - und das im Stammland. Das überraschende an dieser Tatsache ist allerdings nicht, dass die Besucherzahlen zurückgegegangen sind, sondern eher die Verwunderung der Branchenanalysten über den Rückgang.

Zum Beispiel schreibt Techcrunch: “…a hypergrowth company like Twitter cannot afford to slow down in its home market. “

Dabei sollte es doch jedem Absolventen einer Grundschule klar sein, dass ein Wachstum von 1000 % mit der begrenzten Ressource “Internutzer” nicht dauerhaft zu realisieren ist. Scheinbar wird die Anzahl der Erdbewohner hier mit dem potenziellen Markt gleichgesetzt; die digitale Käseglocke demokratisiert offensichtlich das Unvermögen für realitätsnahe wirtschaftliche und gesellschaftliche Analysen.



So ähnliche Sachen:



Niko Internet , , ,

  1. 15. November 2009, 12:05 | #1

    Es hat sich offenbar immer noch nicht herumgesprochen, dass exponentielles Wachstum mit begrenzten Ressourcen nur so lange funktioniert, wie Ressourcen zur Verfügung stehen. Zumal bei einem solchen “Produkt” wie Twitter.

    Das nennt man “Die Grenzen des Wachstums” und deren Existenz ist nicht erst seit 1972 bekannt. Es handelt sich vielmehr um ein unmittelbar einleuchtendes Phänomen: ich kann nicht auf Dauer über meine Verhältnisse leben.

    Es ist nicht zu erklären, weshalb man das gesamte Wirtschaftssystem, die Bewertung von Unternehmen, den Wohlstand eines Volkes nur an seinem Wachstum misst. Der absolute Wohlstand wird völlig außer Acht gelassen. Dass wir in Deutschland im totalen Überfluss leben, uns an Dinge gewöhnt haben, die unseren Vorfahren vorkommen müssen wie die verschwenderische Perversion eines Traums vom Luxus, das sehen wir nicht mehr. Wir gehen mit einem der wertvollsten Rohstoffe, Erdöl, so verschwenderisch um, als gäbe es kein Morgen. Wir haben einige große Flächen der Erde irreversibel verwüstet und verseucht. Und wenn es mit dem Wachstum mal nicht so klappt, müssen gleich Betriebe dichtgemacht werden, Leute verlieren ihre Lebensgrundlage. Und das nur, weil einige zu hoch gegen das Wachstum gepokert haben.

    Alles am Wachstum zu messen, das bedeutet darüber hinaus, dass man mit zweierlei Maß misst: geht es uns schlechter als den Menschen in China, nur weil unsere Wachstumsrate geringer ist als die chinesische? Dass China ein beispielloses Wirtschaftswachstum erlebt, wird immer wieder zum Anlass für neue Wachstumspredigten genommen. Aber die Lebensgrundlage der meisten Menschen in China ist ein Einkommen, das diesen Namen nicht verdient. Der Wohlstand, den man in China erarbeitet hat, liegt in den Händen Weniger. Klar, dass fabelhafte Wachstumsraten erzielt werden, sobald ein wenig entwickeltes Land sich mit Hilfe des Kapitalismus anfängt zu entwickeln. Ein Land wie Deutschland kann aber in absehbarer Zeit und vom jetzigen Status aus nie wieder Wachstumsraten in Bereichen von sechs Prozent oder mehr erreichen; dazu sind unsere Produktivität und unser Wohlstand schon viel zu groß. Übrigens: mit der Ein-Kind-Politik hat die chinesische Regierung ironischerweise bewiesen, dass sie etwas von den Grenzen des Wachstums versteht.

    Man meint geradezu, den ständig von Wachstum brabbelnden Medien und Politikern geistiges Unvermögen unterstellen zu müssen, aber das kann nicht sein, denn fast alle haben eine Schulausbildung abgeschlossen; wahrscheinlich handelt es sich eher um eine Art religiöse Gemeinschaft von Wachstumsgläubigen, die in ständiger Angst vor der Wachstumsinquisition vor Exorzismus und dem kapitalistischen Fegefeuer ihr Dasein fristen.

    Vielleicht spricht sich das alles ja nochmal zu denen herum, die auf Kosten der Mehrheit in Saus und Braus leben und das Märchen des Wachstums verbreiten. Aber bis dahin haben wahrscheinlich irgendwelche findigen Wachstumsprediger einen Weg gefunden, künstliches Wachstum irgendwie zu erzeugen. Bis dann irgendwann endlich der Absturz kommt.

    Mir geht es gut, sehr gut sogar, aber, hach, ich ertappe mich dabei, wie ich mich nach dem Absturz geradezu sehne, nur damit Leute wie Guildo W. sehen, was sie davon haben. Aber die fallen wahrscheinlich immer weich.

  2. 23. November 2009, 23:54 | #2

    Ich schrieb vom Absturz: das muss ja gar nicht sein! Ein Nullwachstum bedeutet schon eine Katastrophe in den Augen der Wirtschaftsweisen. Aber vielleicht können die Fachleute sich irgendwann mal vorstellen, mit den bestehenden Verhältnissen zufrieden zu sein? (Weil man dann zufrieden sein muss)

  3. 24. November 2009, 17:52 | #3

    Der Zwang zum Wachstum ist leider zu einem großen Teil systemimmanent. Das liegt daran, dass sich alle Unternehmen (auch gesunde!) ständig von den Banken Geld leihen, um Investitionen tätigen zu können. Nach einer bestimmten Zeit muss dieses Geld zurückgezahlt werden - plus die angefallenene Zinsen.

    Unternehmen sind also in der Pflicht, ein Wachstum zu erzielen, schon um die Zinsen begleichen zu können (es gibt aber noch weitere Gründe).

  4. bosse
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