Die Entwicklung in der Autoindustrie ist sowieso rational nicht nachvollziehbar. Man versucht ja im Moment den Klima- und Umweltschutz als Catchphrase in den Gehirnen der Käufer zu etablieren (nicht nur die Industrie selber, sondern auch die Politik). Geringer Verbrauch und Emissionsarmut in Hinblick auf giftige (und ungiftige) Abgase sind in puncto Umwelt die wichtigsten Marketingkomponenten.
Der Verbrauch hängt im Wesentlichen von drei Faktoren ab:
- Fahrzeuggewicht
- Motorleistung
- Effizienz
Jede neue Generation von Autos, sei es nun die S-Klasse oder der Golf, wird mit Umweltfreundlichkeit und bescheidenem Spritverbrauch beworben, der jeweils unter dem des Vorgängermodells liege.
Nur ein Beispiel, was die Tugendhaftigkeit der Autohersteller wenigstens etwas zweifelhaft erscheinen lässt:
Der Golf I wog 750 kg leer. Der Golf V wiegt 400 kg mehr: 1150 kg (jeweils Basisversion)! Der Verbrauch hat sich wie folgt geändert: ein Golf V schluckt ungefähr sieben Liter (Herstellerangabe), der Golf I lag bei vielleicht 9 Litern. Gleichzeitig hat sich die Leistung der 1.4-Liter-Basismaschine aber von 54 auf 80 PS gesteigert.
Unter dem Strich heißt das, dass die Motoreffizienz bezogen auf PS pro Hubraum um 50 % gestiegen, das Gewicht um fast 50 % gestiegen und der Verbrauch um etwa 20 % gesunken ist. Das wiederum heißt, dass die rasanten Verbesserungen in der Motorensteuerung zwar bezogen auf Leistung und Gewicht eine große Kraftstoffersparnis bringen, diese aber aufgefressen wird von ebendiesen: mehr Luxus und mehr Power!
Eine Beispielrechnung: bei Anwendung der Faustregel, dass 100 kg Gewicht etwa 0.5 L Mehrverbrauch ausmachen, läge der Verbrauch eines Autos mit dem Gewicht des Golf I und dem Motor des Golf V bei etwa sieben Litern. Würde man nun aber die Leistung des Motors auf die historischen 54 PS verringern (in guter Näherung: Kraftstoffverbrauch korreliert direkt mit Leistung), dann würde man ein Auto mit einem Verbrauch von 4.8 Litern erhalten. Noch mehr Einsparung könnte man wahrscheinlich dadurch erhalten, dass man den Hubraum verkleinert (-> Verringerung der inneren Reibung im Zylinder) und stattdessen einen Turbolader zur Leistungssteigerung einsetzt. Nicht vergessen: die Rechnung und das Beispiel beziehen sich auf einen Benziner, nicht auf einen per se viel sparsameren Diesel!
Nun muss man natürlich dazu sagen, dass die Gewichtssteigerung der Autos nicht nur auf unnötigen Luxus wie elektrische Fensterheber, Schalldämmung und Klimaanlagen, sondern auch auf die Erhöhung der Sicherheit der Fahrgäste zurückzuführen ist, die in den letzten 20 Jahren einen Rückgang der Verkehrstoten um 12 %, bezogen auf die Zahl der Kraftfahrzeuge um fast 20 %, zur Folge hatte. Dennoch: konsequenter Leichtbau wie beim leider “nicht vom Markt angenommenen” Audi A2 oder Verzicht auf Schnickschnack kann einen deutlichen Rückgang des Verbrauchs bewirken, schon bevor man an solche Dinge wie Elektroautos denkt, die ich persönlich faszinierend und vielversprechend finde - vor allem, wenn es um die typischen Kurzstrecken Sofa-Zigarettenautomat-Sofa geht.
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